Hier sind die neuesten Auszüge von Pressestimmen über das Lulu Weiss Ensemble


Weinheimer Nachrichten - 26. FEBRUAR 2016


Muddy´s Club: Das Lulu Weiss Ensemble verzaubert mit dem facettenreichen Sinti-Jazz


Schillernd und besinnlich


WEINHEIM. Nein, der Begriff „Zigeuner“ habe für ihn keinen üblen Beigeschmack,meinte der Gitarrist Lulu Weiss bei seinem Konzert in Muddy´s Club. „Ganz im Gegenteil, ich bin stolz darauf“. Er und sein Cousin „Nello Weiss“, Gitarrist und Sänger, stammen aus einer Sinti-Familie mit langer musikalischer Tradition.

„Wir sind noch im Wohnwagen aufgewachsen und haben Zeiten erlebt, in denen wir für Essen Musik gemacht haben und mit dem Hut herum gingen“. Das muss Lulu Weiss, nach sechs erfolgreichen Alben und zahlreichen internationalen Tourneen, Gott sei Dank nicht mehr, denn sein Ensemble ist längst zu einem Begriff für den traditionellen Zigeuner- Swing geworden, so wie ihn der 1910 in Belgien geborene Django Reinhardt einst in seinem legendären „Quintette du Hot Club“ in Paris spielte.

Daher hat Lulu Weiss verträumte Titel wie „Manoir de Mes Reves“ diesem berühmten Vorfahren gewidmet, ebenso „Danse Norvegienne“, in dem Django Reinhardt klassische Stil-Elemente von Edvard Grieg verarbeitet hat. An diesem Abend in Muddy´s Club waren Liebhaber eines Musikgenres zusammen gekommen, das von Gypsy und Swing über Musette und Chanson bis hin zu Schlager und Klassik unterschiedlicher nicht sein könnte. Lulu und sein Cousin Nello beherrschen keine Noten und sind trotzdem begnadete Gitarristen mit einer unglaublichen Fingerfertigkeit. Und dass Lulu auch ohne Noten komponiert, so wie das Stück „La Fortune de Vondome“, ist ein weiteres Phänomen. Die übrigen beiden Ensemble-Mitglieder gehen hingegen durchaus mit Noten an die Musik heran. Otmar Klein, studierter Musiker und promovierter Philosoph ist mit dem Kontrabass schon seit vielen Jahren für die rhythmische Basis der Band zuständig, darüber hinaus ergänzt er die einzelnen Stücke mit amüsanten Anekdoten und gibt interessante Erläuterungen zu dem vielfältigen Musikstilen, die den Zigeuner-Jazz ausmachen. Obendrein verstand er es bei seinen packenden Soli mit leisen Tönen maximale Intensität zu erreichen. Die Band wollte zur Abwechslung einmal weg von der traditionellen Zusammensetzung einer Gypsy- Band, erzählte Klein. So wurde die traditionelle Geige durch ein Sopransaxophon ersetzt, gespielt von Sergio Parra, einem studierten Musiker und Musikdozenten. Dass der gebürtige Chilene heiße Latin Rhythmen mit einbrachte, war unvermeidlich. So verlieh Parra dem Bossa-„Noche d´amoure“ von Lulu Weiss nicht nur südamerikanisches Temperament, sondern auch einen aufregenden Free-Jazz-Charakter. Im Übrigen begeisterte er mit seinen raffiniert verwobenen Harmonien und seinen fein gesponnenen Klangtexturen. Und wenn er dann zur Querflöte überwechselte, so bestach er auch hier mit flexibler Tongebung und brillanter Technik. Ein Song aus dem „Great American Songbook“ ist „I can´t give you anything but love“.

Großartig wie das Lulu Weiss-Ensemble mit subtilen Bögen und Schwingungen ein schillerndes Klangbild zauberte, zu dem Nello Weiss seinen wohltönenden Bariton einsetzte. Den Titel „O letsche Gurgo“, was so viel heißt wie „letzter Sonntag“ sang Nello Weiss, im Gedenken an den verstorbenen Schnuckenack Reinhardt, in der Zigeunersprache. Das Lied handelt von Liebe und Abschied, auch besinnliche Töne gehören zu dieser Musik mit all ihren unterschiedlichen Facetten.





Wormser Zeitung - 20. FEBRUAR 2016


Rhein Main Presse


Projekttage an der Wonnegauschule zum Thema Rassismus

Von Ulrike Schäfer

OSTHOFEN - So viel Interesse und Aufmerksamkeit! So viel Lob von allen Seiten! Da strahlten Schüler und Lehrer der Wonnegauschule und alle, die an dem Projekt „Blaudes Geschichten. Tanzen und Filmen gegen Rassismus und Vergessen!“ der Lernwerkstatt Medien + Bildung in Kooperation mit dem Landesverband Deutscher Sinti und Roma und der Gedenkstätte KZ Osthofen beteiligt waren und die wirklich ansehnlichen Ergebnisse am Donnerstagabend in der vollen Aula der Schule vorstellen konnten.

Mit dem Lulu-Weiss-Quartett

Bei der Begrüßung der zahlreichen Gäste zu Beginn der Veranstaltung, die vom Lulu-Weiss-Quartett mit zündender Musik umrahmt wurde, erzählte Rektorin Waltraud Fahl, dass dieses für die Entwicklung der Schüler so wichtige Projekt letztlich nur dank der großzügigen Unterstützung einzelner Sponsoren habe finanziert und realisiert werden können. Die Mühe habe sich gelohnt. „Nur was man selbst erlebt hat, kann nachhaltig wirken“, sagte sie. „Ich lege meine Hand dafür ins Feuer, dass keiner dieser Jugendlichen jemals andere ausgrenzen wird.“ Darüber hinaus freue sie sich, dass sich mit dieser Präsentation zeige, was die Kinder der Förderschule in der Lage seien, zu leisten.

Einen ersten Eindruck, wie dieses Projekt abgelaufen war, gaben die Tagebücher der 13 Schüler der neunten Klasse, die im Foyer der Schule zur Ansicht auslagen, wie auch ihre Bildgeschichten zum Thema Reichspogromnacht. Im Laufe des gut anderthalbstündigen Programms, das von Hans-Uwe Daumann von Medien + Bildung moderiert wurde, waren dann auch kleine Videos zu sehen und schließlich auch das längere, von Pauline Nguyen von Medien + Bildung, geradezu professionell zusammengestellte Filmtagebuch, das die anspruchsvolle Vielfalt dieser Projekttage dokumentierte.

In diesem Film wurde gezeigt, wie sich die Schüler nach entsprechender Vorbereitung in der Schule gemeinsam mit Kerstin Hetzel über QR-Codes das Gelände der Gedenkstätte KZ Osthofen erschlossen. Die Geschichte der Familie Rajner aus Mainz, deren Vater 1933 hier inhaftiert war, war dann der Einstieg in die Thematik Rassismus. Am nächsten Tag hatten die Jugendlichen die Möglichkeit, durch Vermittlung von Helene Gomse vom Verband Deutscher Sinti und Roma, die Familie Braun kennenzulernen, die selbst Opfer des nationalsozialistischen Rassismus geworden war. In einem weiteren Schritt wurde dann die Brücke zum Alltag geschlagen. In tänzerischen Szenen konnten die 12- bis 15-Jährigen unter Anleitung von Tanzpädagogin und Choreografin Nadja Fernandez Gamio bestimmte Gefühle wie Angst, Wut und Hass sowie auch Begriffe wie Ausgrenzung und Mobbing darstellen, auch durften sie entsprechende Szenen arrangieren und mit ihren Tablets fotografieren. Schließlich drehten sie drei Videos mit bemerkenswertem Inhalt. Dabei brachten sie sehr deutlich zum Ausdruck, dass Ausgrenzung und Hass keine Option sind.

Für eine andere Haltung

Viel Lob hatte Landrat Ernst Walter Görisch, der unter anderen neben VG-Bürgermeister Walter Wagner und Stadtbürgermeister Thomas Goller an der Veranstaltung teilnahm, für alle Mitwirkenden parat. Das Thema Rassismus sei aktueller denn je, sagte er. Die Schulen seien der richtige Ort, um andere Haltungen zu entwickeln.

Mit feierlichen Worten und kleinen Geschenken bedankten sich die Schüler bei allen, die das Projekt gefördert hatten, insbesondere bei Projektleiterin Katja Batzler von Medien + Bildung, und Klassenlehrerin Maike Beccard, „die immer an uns geglaubt hat“. Im Gegenzug sprach Helene Gomse die Hoffnung aus, dass durch den „Tanz der Seelen“ allen ein Stück Zivilcourage eingepflanzt worden sei.






PIRMASENSER ZEITUNG - 4. AUGUST 2015


Mit Temperament und Gefühl


Lulu Weiss Ensemble zu Gast beim Musiksommer im Neufferpark

Sinti-Jazz mit dem Lulu Weiss Ensemble stand beim Musiksommer-Konzert im Neufferpark auf dem Programm. Zugegeben, es hätte ein paar Grad wärmer sein können bei der Fortsetzung des Pirmasenser Musiksommers 2015 im Neufferpark. Dennoch ließen es sich viele Musikfans nicht nehmen, den erneuten Konzertabend unter Kastanien zu besuchen. Das Lulu Weiss Ensemble, keine unbekannte Formation in dieser beliebten Pirmasenser Musikreihe, war zu Gast und bot ein breites Spektrum an Manouche-Jazz, auch Sinti-Jazz und Gipsy-Jazz genannt, jener traditionellen Variante des Swing, die so facettenreich daher kommt. Mindestens genauso facettenreich präsentierte sich auch das Ensemble mit dem Gitarristen und Namensgeber Lulu Weiss, seinem Cousin Nello Weiss, dem Tenorsaxophonisten Sergio Parra und dem Kontrabassisten Otmar Klein. Der beschwingte Auftakt des Konzertes stellte gleich die Spielfreude der Musiker unter Beweis. Instrumentale Soloeinlagen quittiert das Publikum mit begeistertem Zwischenapplaus. Melodien von George Gershwin, Stéphane Grappelli und Django Reinhardt waren zu hören – immer wieder Reinhardt, die Ikone dieser Musikrichtung, der wie kein anderer damit in Verbindung gebracht wird. Aber auch manche Eigenkomposition zauberte das Quartett aus dem Hut und überzeugte dabei ebenso, wie mit den Vorlagen der namhaften Komponisten auf dem Spielplan des Abends. Neben dem traditionellen Sinti-Swing bot das Ensemble auch französische Musik, lateinamerikanische Rhythmen und ungarische Folklore – von den Musikern mit Temperament und spielerischer Leichtigkeit vorgetragen. Aber auch die Momente voller Gefühl und Sentimentalität fehlen nicht. Hin und wieder gab es auch Gesangseinlagen wie zum Beispiel „All of me“, von Gerald Marks aus den 30er Jahren. Nello Weiss drückte mit markanter Stimme dem Klassiker seinen eigenen Stempel auf. Das Konzert war erneut ein Beweis dafür, wie abwechslungsreich sich diese Musikreihe entwickelt hat und mit welchem Gespür Brauhaus-Chef Wolfgang Kuchem dem Pirmasenser Musiksommer seinen Charakter gegeben hat.





RHEIN-NECKAR-ZEITUNG - 23. September 2014


„Er hat die Mannschaft mit Blicken im Griff“

Das Lulu Weiss Ensemble beendete die Konzertreihe „Musik in historischen Mauern“ mit einem mitreißenden, familiären Auftritt.

Neuzugang Sergio Parra (links) fügte sich mit seinem Sopransaxofon perfekt in das virtuose Spiel von Nello und Lulu Weiss an den Gitarren sowie Otmar Klein am Kontrabass (von links) ein. Die Freude der Vier an ihrer Musik übertrug sich direkt aufs Publikum. Der Rhythmus des Sinti-Swing, dem man sich kaum entziehen kann und der allein durch die perkussive Gitarrenbegleitung entsteht. „Unsere Stilistik beruht auf Spannung und Gegensätzen“, erklärt Otmar Klein zwischen klassischen Stücken aus dem „American Songbook“ und von französischen Chansons beeinflussten Kompositionen des „großen Lehrmeisters“ Django Reinhardt: So spielt etwa Parra nach Noten, während die anderen drei Musiker größtenteils improvisieren. Das funktioniert deshalb, weil Lulu Weiss „seine Mannschaft mit Blicken im Griff hat“, wie Würz am Schluss beeindruckt bemerkt. In der Tat dirigiert der Saarländer seine Bandkollegen mit einem schnellen Blick hier, einem Kopfnicken da. Auch dann noch, als er seinen Hocker nach der Pause spontan vor die Bühne stellt, weil eine Rückkopplung seiner Gitarre immer wieder ein unangenehmes Geräusch erzeugt - bis er weit genug vom Verstärker entfernt ist. Dass er dafür dem Publikum noch näher kommt, vertieft das familiäre Gefühl eines Wohnzimmerkonzerts. Zwischendurch verzaubert Nello Weiss die Zuhörer mit seiner sanften, eindringlichen Stimme, die direkt ins Herz geht. Als er ein berührendes Stück aus der Konzentrationslager-Tradition in Zigeunersprache singt, fällt Lulu spontan ein. Am Ende des Abends wirken alle erfüllt von der Präsenz und der Lebensfreude, die das Quartett auf die Bühne gebracht hat. Würz dankt dern musikalischen Leiter der Konzertreihe, Dr. Claus Canisius, und den Musikern, wobei er auf jeden Einzelnen persönlich eingeht. Und noch einmal Kleins Sorge entkräftet: „Sergio Parra hat die Geige nicht bloß ersetzt, sondern praktisch unnötig gemacht! “


Von Laura Geyer





HOCKENHEIMER TAGESZEITUNG – 06. SEPTEMBER 2014


Gipsy-Jazz unterm Sternenhimmel


Pumpwerk: Lulu Weiss Ensemble bezaubert die Besucher durch seine unbändige Spielfreude, Fantasie und Energie


Wer denkt, Sinti-Swing braucht eine Geige, der irrt. Das Lulu Weiss Ensemble rund um den Landauer Ausnahmegitarristen liefert im Pumpwerk den Beweis. Der Lateinamerikaner Sergio Parra übernimmt mit seinem Saxofon den Part des traditionellen Sinti-Swing-Instruments und setzt musikalisch Akzente, die seine chilenische Herkunft nicht verleugnen.

"Wir haben uns neu formiert und wollten das einfach mal ausprobieren", erzählt Kontrabassist Otmar Klein, aktiv seit über 30 Jahren in verschiedenen Bands und Projekten als Jazz- und Bluesmusiker. Er wie auch der Saxofonist Sergio Parra stießen neu zu dem Ensemble, das sich ganz in der Tradition des belgischen Gitarristen und Begründer des europäischen Jazz Django Reinhardt und seinem Quintett "Hot Club" sieht. Nello Weiss, ein Cousin Lulus an der Gitarre, komplettiert das Quartett. Gypsy-Jazz vom Feinsten hat die Truppe im Gepäck, ein quirliger, agiler Sound, tief in der traditionsreichen Musik der Sinti und Roma verwurzelt, mit Ausflügen in die französische Musette und die Rhythmen Lateinamerikas. Musikalisch geht es heiß her, kein Fuß unter den Stühlen bleibt still, immer wieder wird spontan applaudiert.

Mit unbändiger Spielfreude, Fantasie und Energie weben Lulu und Nello Weiss einen Klangteppich, satt und kraftvoll. Otmar Klein klinkt sich ein, profunde und klar sein Bass, hin und wieder auch spielerisch, leichte, fast spontan anmutende Tonfolgen, aneinandergereiht wie Perlen. Ihm ebenbürtig krönt Sergio Parra mit einem ausdrucksstarken, entfesselten Saxofon-Spiel jedes Stück zum musikalischen Meisterwerk.

Standards gehören dazu

Da spielen die Künstler Jazzstandards wie George Gershwins "Crazy Rhythm", Ernie Burnetts "My Melancholy Baby" und "All of me", eine Komposition von Gerald Marks, die 1931 für eine kleine Revue im Fisher Theatre von Detroit entstand und sich zum Evergreen entwickelte.

"Ganz viele Songs spielen wir aber von Django Reinhardt, aus seinem amerikanischen Songbook der 30er Jahre", erläutert Klein. Und ob das der Song mit dem sprechenden Titel "Schokolade" ist oder andere, sie scheinen dem Quartett zu passen wie eine zweite Haut. Virtuos Lulu und Nello Weiss an den Gitarren, die sich an dem ähnlichen Grundmuster dieser Songs abarbeiten als gebe es kein Morgen. Nur das Hier und Jetzt zählt, die Gitarren und die Künstler, welche auf ihnen spielen.

Hervorragend ist das Quartett, wenn es Django Reinhardt nach Paris folgt, der sich dort natürlich musikalisch hat beeinflussen lassen. "La belle vie" und "Ich bin einsam heute Nacht" werden musikalisch durch den Reißwolf gedreht und präsentieren sich in völlig neuem Gewand. Auch mit dieser leichteren Muse entfesselt das Quartett Begeisterungsstürme.

Nicht zuletzt sind es auch die Hommagen an Lateinamerika, mit denen sich das Ensemble tief vor ihrem Saxofonisten Sergio Parra verneigt, die dem Abend sein ganz eigenes Gepräge geben. Ob "La Gitane" von der aktuellen CD "Palatine Autumm", die "Noche d'amour" oder der schlichte Titel "Ricardo" - immer schlägt der Rhythmus ein wie eine Bombe. Nach mehr als zwei Stunden unterm leuchtenden Sternenhimmel auf der Pumpwerk-Bühne lässt das Lulu-Weiss-Ensemble seine Fans begeistert und atemlos zurück.


Von unserer Mitarbeiterin Elke Barker





DIE RHEINPFALZ - 28. JULI 2014


Zwischen Tradition und Moderne


Das „Lulu Weiss Ensemble“ ist in seinen verschiedenen Besetzungen seit Jahren ein Garant für seelenvoll gespielten Zigeuner-Jazz in und über unsere Region hinaus.


Am Donnerstag spielte das Quartett bei Kuchems Sommermusik im Pirmasenser Neufferpark vor einem großen, sehr aufmerksamen Publikum. „Das ist völlig egal, schreib' einfach was du willst.“ Die Cousins Lulu und Nello Weiss, die beiden Gitarristen des Ensembles, machen sich absolut keinen Kopf darüber, ob es Zigeuner- Jazz, Sinti-Jazz, Gypsy-jazz oder Jazz-Manouche heißen darf. „Es ist dieselbe Musik und in jedem Land hat sie eben einen anderen Namen, fertig“, sagt Nello Weiss. Derart unbelastet von vermeintlichen politischen (Un)-Korrektheiten hat man es gleichwohl beim „Lulu Weiss Ensemble“ mit vier Musikern zu tun, die mit einem tiefen Verständnis für die Tradition von Django Reinhardt einen fein ausbalancierten Zigeuner-Jazz zwischen den Konventionen des Genres und geschmackvollen und stilsicheren Modernisierungen präsentieren. Das „Lulu Weiss Ensemble“ mit Lulu und Nello Weiss an den Gitarren, dem Sopransaxofonisten Sergio Parra (ursprünglich aus Chile) und dem Zweibrücker/Saarbrücker Kontrabassisten Otmar Klein macht in einigen entscheidenden Nuancen so manches anders als vergleichbare Combos, die sich dem traditionellen Django-Reinhardt-Swing verpflichtet fühlen. Zunächst gibt es nicht die strikte Trennung bei den Gitarristen, wer „La Pompe“ also die typische flotte Begleitung im „dub-cek, dub-cek, dub- cek, dub-cek“-Rhythmus spielt und wer die Solo-Gitarre führt. Lulu und Nello Weiss wechseln sich in den Aufgaben ab; Lulu Weiss spielt dabei die typische, allerdings neue, Selmer-Gitarre mit „petit bouche“, mit kleinem Schallloch also nach den ursprünglichen Entwürfen, des italienische Gitarrenbauers Mario Maccaferri aus den 40er jahren. Der perkussive, leicht mittige Klang ist soundprägend für die Musik. Nello Weiss vertraut auf eine elektrische Semi-Akustik-Gitarre mit kleinem Korpus, wie sie im Manouche seltener, im traditionellen Jazz aber eher Standard ist. Das bringt schon mal bedeutend mehr Farbe ins Spiel. Eingefahrene Wege verlässt man auch mit dem Sopran-Sax von Sergio Parra, der die Parts übernimmt, die sonst von der Violine gespielt würden. Auch das ist mehr als nur eine reizvolle klangliche Variante, sondern bringt substanziell andere musikalische Lösungen und Möglichkeiten zutage. Mehr noch sind die Gesangsbeiträge von Nello Weiss unter streng puristischen Gesichtspunkten eine bedeutende und willkommene Weiterung zum Hergebrachten. Auch Otmar Klein schmuggelt am Kontrabass subtil modernisierte Begleitfiguren in die Arrangements ein, die sehr für eine frische Auffassung der traditionellen Songstrukturen sorgt. Nimmt man dann noch dazu, dass sich neben dem kanonisierten Material wie „Minor Swing“, „lt Had To Be You“ „Joseph, Joseph“ (bei dem sich „Via Con Dios“ in „Don't Cry for Louie“ recht herzhaft bedient haben), auch Valse Musette und Latin-Nummern mit entschieden anderer Harmonik und zusätzlich Eigenkompositionen von Lulu und Nello Weiss im Programm finden, dann hat man alles zusammen, was man für einen spannungsreichen Konzertabend braucht: Schöne Melodien, flotte, ja virtuose Soli, interessante Klangfarben und vier Musiker, die mit unbändiger Freude bei der Sache sind. Nachdenkliches gibt es auch, das von Schnuckenack Reinhardt komponierte „Oletzdu gurgu“ (Romanes für „der allerletzte Sonntag“), das den Tod des Bruders im Nazi-KZ zum Thema hat. Erneut ein sehr anregender Konzertabend bei der Sommermusik im Neufferpark.


VON FRED G. SCHÜTZ






DlE RHElNPFALZ - KULTUR REGlONAL - 23. MAI 2014


Melancholie und Lebensfreude


Das Lulu Weiss Ensemble im Hohenstaufensaal in Annweiler


Feuriger Csardas, traditionelles fanzösisches Chanson, rassiger Flamenco, fröhlich eleganter Dreivierteltakt in der Valse Musette sowie treibende afroamekikanische Rhythmen, das ist die Mischung von Musikrichtungen, mit der Lulu Weiss seit Jahrzehnten mit Ensembles in unterschiedlichen Besetzungen die Freunde des so genannten Zigeunerswing begeistert. Am Freitagabend spielte das Lulu-Weiss Ensemble im Hohenstaufensaal in Annweiler.

In der aktuellen Formation tourt er mit dem quasi Stammkontrabassisten Otmar Klein und seinem Cousin Nello Weiss an der Rhythmusgitarre durch Deutschland.Statt der traditionellen Geige einer Klarinette oder dem Akkordeon begleitet nun ein Tenorsaxofon die Saiteninstrumente. Der Chilene Sergio Parra ließ mit viel Gefühl, rasenden Fingern und bewundernswertem Lungenvolumen sein lnstrument von melancholischem Klagen bis hin zur jauchzenden Lebensfreude alle menschlichen Gefühle erzeugen.

Und wenn die verbale Verständigung, welches Stück sie als nächstes spielen, nicht immer reibungslos funktionierte, so verstehen sich die Musiker im Spiel einwandfrei. Vollblut-Musiker wie Lulu und Nello Weiss brauchen keine Worte, um Melodien aufzunehmen. nahtlos fließend oder dezidiert perlend gezupft fortzuspinnen, weiterzugeben an das Saxofon oder den Kontrabass und wieder zum Anfang zurückzuführen. Ein Blick des Ensemble-Chefs in Richtung eines Kollegen genügte, um diesem zu signalisieren: Jetzt darfst du dich improvisierend solistisch ausleben. Otmar Klein sagte die Stücke an, ab und an ergänzte Parra die Erklärung. Nello Weiss gab die Rhythmen und hielt den Takt. um den der Kontrabassist ab und an rasende Läufe oder verträumte Linien legte.

Mit leicht rauchiger sonorer Stimme schmeichelte er sich als Sänger in deutscher („Einsam wirst du sein“) französischer („La belle vie“) oder seiner Muttersprache Romanes in die Herzen der Zuhörer. Das ergreifend traurige Lied, das Sinti und Juden gemeinsam im Konzentrationslager komponiert haben, übersetzte Klein mit dem Titel: „Am letzten Sonntag“. Mit seiner Version des Chanson „Jesuis seul ce soir“ demonstriert das Ensemble eindrucksvoll, wie es traditionelle französische Liedkunst im Stil des 20er Jahre Swing interpretiert. Afrikanische Trommelrhythmen auf die Gtarre übertragen, das ist der Bossa, den das Lulu Weiss Ensemble in der Liebesnacht „Noce de amor“ zelebrierte. Mit dem „Valse Nello“ und dem „Lulu Valse“ liessen die beiden Gitarristen reinen Sinti-Jazz und eine Musette erklingen. die ebenso wie klassische „Zigeunerstücke“ wie „Galli Jaka“ oder „La Gitane“ keinen Fuss im Publikum still stehen ließen. Als Hommage an Django Reinhardt erklang mit „Crazy Rhythm“ der typische 1-6 2-5 Rhythmuswechsel in seiner lnterpretation und mit dem „Minor Swing“ der Django-Reinhardt Klassiker schlechthin.